Gruss & Etikette

Das Grußzeremoniell des Kyokusui-ryu Aikibudo und dessen Bedeutung

Kyokusui-ryu Aikibudo

Das Grußzeremoniell des Kyokusui-ryu Aikibudo

Jedes Training beginnt und endet mit einem rituellen Grußzeremoniell; “Ein paar Worte ein paar Gesten und fertig“. Dieser Text soll helfen, zu verstehen, was die Worte und die Gesten bedeuten und was sie für einen Stellenwert in unserer Schule einnehmen. Das Grußzeremoniell darf nicht einfach nur mal schnell abgearbeitet werden, um dann mit dem „richtigen Training“ zu beginnen, sondern es enthält und betont bereits das REI als grundlegenden Gedanken und Aspekt des Aikibudo, der für die Entwicklung unserer Kunst und jedes Aikibudokas eine große Rolle spielen.

Das Grußzeremoniell beginnt mit mokuzo“. Der Lehrer, der vor der shomen sitzt, gibt dieses Kommando, um eine Meditationsphase einzuläuten. In dem Moment besinnt man sich auf das Hier und Jetzt und lässt den Alltag hinter sich. Man macht sich klar: Wo man gerade ist, wer man ist und was man grade macht. Die Kunst Aikibudo soll durch die Übenden und durch ihre Konzentration auf das Training ihre Würdigung erfahren; das sollte sich bei jedem Aikibudoka tief im Sinn / im Herzen verwurzeln. Das Ende dieser kurzen Meditationsphase setzt der Lehrer mit dem Kommando: „yame“.

Es folgt das Kommando: „shomen ni rei“ durch den Lehrer. Und alle verbeugen sich vor der shomen, vor einer Wand, vor einem Bild oder einem Schriftzug. Auch das ist keine hohle Geste, sondern ein Ausdruck der Ehrerbietung vor allen Aikibudoka, die vor uns Aikibudo trainiert haben und die es heute noch tun. Aikibudo ist nicht nur eine Jahrhunderte alte Kampfkunst, sie ist auch das Ergebnis einer langen Entwicklung, die immer noch anhält; einer Entwicklung, an der all diese Aikibudoka teil hatten und auch heute noch haben. Durch diese Verbeugung begreifen wir uns als ein Teil dieser Gemeinschaft und würdigen die Chance, die uns diese Kampfkunst auch für unsere eigene Entwicklung gibt. Dafür gebührt all denen ein tiefer Dank, die das geschaffen haben, was wir als Aikibudo kennen.

Nun wendet sich der Lehrer zu den Schülern und der Schüler mit der höchsten Graduierung ruft: „sensei ni rei“. Nun verbeugen sich alle Schüler vor dem Lehrer. Nicht weil er die Position des Lehrers und somit eine gewisse Amtsautorität hat, sondern weil er auch einen tiefen Dank verdient. Er tut etwas, was in unserer heutigen Zeit nicht mehr als Selbstverständlichkeit angesehen werden kann. Der Lehrer gibt etwas von sich, seiner Zeit, seinem Wissen, seiner Kraft und seiner Präsenz. Und er gibt es ohne etwas dafür zu verlangen.

Es gibt in der Budo-Welt auch Lehrer, die sich nach vorne stellen, um sich selbst darzustellen oder um ihr Ego zu befriedigen. Aber das sind keine wahren Budo-Lehrer, keine Meister im klassischen Sinn und sie leben auch nicht die Prinzipien des aiki. Wir danken dem Lehrer nicht weil er einen schwarzen Gürtel trägt oder weil er eine Dan-Prüfung gemacht hat,

sondern dafür, dass er Zeit und Hingabe investiert, um uns etwas zu geben und etwas zu lehren. Das verdient einen tiefen Respekt und eine tiefe Verbeugung, nicht nur mit dem Körper sondern auch mit dem Geist und dem Herzen. Wir müssen uns während der Verbeugung bewusst werden was der Lehrer für uns tut und dürfen sein Training und seinen Einsatz nicht als eine Selbstverständlichkeit ansehen. Ohne gute Lehrer würde die Kunst des Aikibudo aussterben oder auf einen reinen Bewegungssport reduziert werden.

Am Ende des Grußzeremoniell gibt der Lehrer das Kommando: „otaigan ni rei“. Das ist das Signal an alle, sich vor-einander zu verbeugen. Alle sind zusammen gekommen, um gemeinsam das Aikibudo weiterzuentwickeln und um sich selbst weiterzuentwickeln. Wenn man sich weiterentwickeln will, ist man auf die Hilfe anderer angewiesen. Niemand kann sich im Aikibudo weiterentwickeln ohne Partner, ohne die Hilfe der Anderen. Deshalb sollten wir uns vornehmen, mit aller Kraft, mit ganzem Verstand und mit vollem Herzen seinen Partnern und Mitschülern zu helfen, denn wenn jeder dies tut, dann wird auch jedem mit aller Kraft, mit ganzem Verstand und mit vollem Herzen geholfen. Durch diese abschließende Verbeugung bitte ich alle anderen um diese Hilfe und bedanke mich gleichzeitig dafür.

Dabei kann man mit dem Ausdruck „onaigashimasu“, diese Bitte um Hilfe laut aussprechen und damit nicht nur den Lehrer ansprechen, sondern auch alle anwesenden Aikibudoka und alle, die diese Kampfkunst praktizieren, die uns Hilfe und Ansporn geben können.

Am Ende des Trainings, nach dem Grußzeremoniell kann man sich dann bei allen Anwesenden bedanken mit einem „domo arigato kosamasu“. Auch dies ist ein Dank an alle, die geholfen haben, das Aikibudo weiterzuentwickeln und die geholfen haben, dass sich jeder in der Gruppe weiterentwickeln kann. Diese zwei Aussagen muss ich nicht aussprechen; es reicht, sie im Geist zu sagen, das Gefühl der Dankbarkeit darf jedoch nicht vernachlässigt werden oder gar fehlen.

Aikibudo lebt durch die Menschen, die es leben und zu seiner Verbreitung beitragen, denn es ist keine Kunst, die man alleine lernen oder praktizieren kann. Wir brauchen immer Partner und Lehrer, um uns im Aikibudo weiterzuentwickeln, und wir müssen uns immer der Pflicht bewusst sein auch selbst die Hilfe und Unterstützung weiterzugeben, ohne die wir diese Kunst nicht hätten lernen können. Dabei sollte es kein Maß oder Unterschiede geben, es muss immer mit aller Kraft, ganzem Geist und vollem Herzen sein.

Dieser Grundgedanke hinter dem Grußzeremoniell sollte sich als roter Faden durch das gesamte Training ziehen. Es ist ein wesentlicher Aspekt des Grundprinzips REI und es sollte sich mit der Zeit auch von hier aus in das Leben jedes Einzelnen ausbreiten, denn das ist die Haltung des Aikibudo.

Volker Regh, ryucho

 

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